Seit mehr als einem Jahr fallen die Leute auf diese Angebote herein
Warnungen im Internet gibt es dutzendfach - aber wahrscheinlich noch nicht genug ...

Bereits am 7 April 2008 berichtete der Berliner Kurier - S. p20 ; Ausgabe: 95


RP-Online / Autor ANDREAS GRUHN

Der Gladbacher Hendrik Engelen soll 93 Euro an eine dubiose Firma zahlen und weiß nicht einmal wofür. Schon die zweite Mahnung flatterte ins Haus. Die Verbraucherzentrale kennt viele solcher Fälle und rät: Ruhig bleiben.

Hendrik Engelen traute seinen Augen nicht, als er den ersten Brief mit dieser seltsamen Aufschrift aus dem Briefkasten fischte. Die Deutsche Inkassostelle beehrte den 56-jährigen Gladbacher im Juni mit einer Mahnung. 92,36 Euro solle er zahlen, und zwar an die Firma Netsolutions FZE mit Sitz in Dubai für das Projekt „Nachbarschaft24“. Darin der höfliche Satz: „Zahlen Sie bitte sofort!“ Engelen war entsetzt: „Ich habe keine Ahnung, wofür ich bezahlen soll. Ich war nie in Dubai und auch nicht in einer Nachbarschaft24.“ Engelen rief seine Rechtschutzversicherung an, und die riet ihm, gar nicht zu reagieren.

Vergleichszahlung

Vor einer Woche kam nun der zweite Brief: Diesmal forderte die Inkassostelle für die dubiose Firma 93,47 Euro ein, jecke 1,11 Euro mehr als noch im Juni. Dem Schreiben lag ein sanftes Druckmittel bei: Ein Antrag auf Erlass eines Mahnbescheides, allerdings als Muster. Und im Anschreiben die Drohung: „Ihnen entstünden erhebliche weitere Kosten für Gericht und gegnerischen Anwalt.“ Gleichzeitig erging aber das Angebot, die „leidige Angelegenheit für eine Vergleichszahlung in Höhe von 64 Euro aus der Welt zu schaffen“.

Das, was die Firma Netsolutions mit Hendrik Engelen treibt, ist die so genannte Internet-Abzocke. Das Projekt Nachbarschaft24 ist in dieser Kriminalitätssparte bereits ein Klassiker. Dabei handelt es sich um eine Internetseite, die sich meldet mit der Aussicht, ein alter Bekannter würde ihn über diese Seite suchen. Man solle nur seine Daten eingeben. Schon schnappt die Falle zu, und die erste Rechnung für einen Mitgliedsbeitrag plus Inkasso-Gebühren liegt Tage später im Briefkasten.

Der Trick der Internet-Gauner ist ganz einfach: Viele Opfer fühlen sich eingeschüchtert und zahlen bereitwillig. „Die Sache mit dem angeblichen Mahnbescheid ist der neueste Trend“, sagt Edda Nowak von der Verbraucherzentrale Mönchengladbach. „Das schüchtert ein.“ Beinahe täglich kommen Gladbacher mit einem solchen Schreiben in die Verbraucherzentrale. Dabei hat niemand von solchen Drohschreiben etwas zu befürchten. Ein Vertrag ist nicht zu Stande gekommen, weil der „Kunde“ nicht ausdrücklich über das Widerrufsrecht belehrt wurde. Auch Hendrik Engelen hat kein solches Schriftstück bekommen. Erst dann tritt die Widerrufsfrist ein. Man braucht sich also nicht zu melden, die Verbraucherberatung rät dennoch dazu: „Einfach per Einschreiben an die angegebene Adresse schreiben: Ich habe keinen Vertrag abgeschlossen und möchte auch keinen“, sagt Edda Nowak.

Doch auch, wer gar nicht reagiert, hat in den seltensten Fällen etwas zu befürchten. „Wir hatten noch keinen Fall, in dem tatsächlich ein Mahnbescheid vom Gericht gekommen ist“, erklärt Edda Nowak. Denn Internet-Abzocker ziehen selten freiwillig vor Gericht.