tz-Leserin Christiane N. erhielt nach dem Anklicken der Internet-Domaine Routenplaner & Karten von der Münchner Anwältin Katja G. einen Mahnbescheid über 105,84 Euro.
Bei den Verbraucherzentralen häufen sich derzeit die Beschwerden von Betroffenen, die für die jeweiligen Tipps teuer bezahlen sollen, weil sie eine versteckte oder kleingedruckte Preisangabe übersehen haben und nur schwer beurteilen können, ob sie zur Zahlung verpflichtet sind. Die Nutzungsgebühren inklusive Mahnkostenzuschlag durch einen eingeschalteten Anwalt belaufen sich zunächst auf Summen zwischen 60 und 105 Euro, die sich mit jeder weiteren Mahnung erhöhen.
Die Rechnungen und Mahnungen der Anbieter sind dabei oft mit Drohungen gespickt, die vom Schufa-Eintrag bis zur Strafanzeige reichen. Markus Saller, Justitiar der Verbraucherzentrale Bayern: „Viele begleichen daraufhin lieber die Rechnung, obwohl sie hierzu in den meisten Fällen gar nicht verpflichtet wären.“ Sein Rat: „Wer solch ein Schreiben erhält, sollte schriftlich antworten und erklären, dass die Forderung unberechtigt und man daher zur Zahlung nicht bereit ist. Meistens hat man danach seine Ruhe.“ Die Verbraucherzentrale Bayern hat im Internet einen Formbrief entworfen, der unter www.verbraucherzentrale-bayern.de abrufbar ist. Stichwort: Abzocke im Internet.
Kommen dennoch weitere Mahnschreiben, sollte man, so Saller, nicht drauf reagieren, oder aber man schaltet die Verbraucherzentralen ein,. Die sind dabei, eine bundesweite Statistik über die „schwarzen Schafe im Internet“ zu erstellen, die die Webnutzer abzocken.
Zur Vorbeugung solcher Abzocke empfehlen Verbraucherschützer eine gesunde Skepsis beim Surfen: „Spätestens dann, wenn sich eine Anmeldemaske öffnet, sollten die Alarmglocken schrillen. Das ist fast immer ein Hinweis auf eine Internetfalle.“ Haben die Betroffenen einmal gezahlt, ist ihr Geld in der Regel verloren. Auch die Vielzahl der erfolgreichen Unterlassungsklagen der Verbraucherzentralen können daran wenig ändern, da sie keinen Rückzahlungsanspruch zur Folge haben. Zudem sitzen viele der Unternehmen im Ausland und verschwinden von der Bildfläche, sobald jemand Schadensersatzansprüche stellt. Dies erschwert die Rechtsverfolgung.
Auch der Münchner Staatsanwaltschaft liegen bereits zahlreiche Anzeigen wegen Nötigung und Erpressung gegen Betreiber derartiger Abzock-Seiten und deren rabiate Anwälte vor, bestätigt Sprecher Anton Winkler gegenüber der tz. Besonders aktiv im bayerischen Raum sind derzeit die britischen Firmen NetContent Ltd. bzw. Online Content Ltd. mit Zweigstellen in Frankfurt bzw. Wiesbaden sowie deren Münchner Anwältin Katja G.. Die Chancen, dass die „Übeltäter“ bestraft werden, erachtet Winkler aus oben genannten Gründen als gering. Und die bayerische Anwaltskammer sieht keinen Grund, gegen die rabiate Münchner Kolleg in Katja G. vorzugehen, da diese in Hessen gemeldet ist.
Uwe Fajga
Achtung! Vor diesen Domains im Net wird gewarnt
Beim Anklicken u.a. folgender kostenpflichtiger Internetseiten können Verbraucher in die Kostenfalle geraten bzw. drohen bei Nichtbezahlen der Rechnung hohe Mahnbescheide:
hausaufgaben-heute.comHausaufgaben-server.comroutenplaner-online.deroutenplaner-server.deStromverbrauch.deKochrezepte-download.deGrusskarten-versand.commeine-grusskarten.deastrologie-server.comberufe-welt.deberufe-info.comBerufs-wahl.defabrik-verkauf.degeburtstags-infos.deGedichte-server.comgehalts-rechner.deLebenstest.delebens-analyse.delebenserwartung-online.deonline-flirten.deonline-iq-test.deahnen-portal.denamens-bedeutung.denamen-ahnen.demy-tiere.detattoo-server.comsudoku-welt.com
Quelle: tz
